Ehe- und Erziehungsberatung - Südtirol italiano  

Beratungsangebot News Wir über uns Kontakt Elterntelefon  
5 o/oo für Familien
EEBS der Verein
MitarbeiterInnen
30 Jahre EEBS
Förderer
 
Stadtgemeinde Bruneck - Città di Brunico
Sitemap
 
 

30 Jahre Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol, eine vorgetragene Übersicht



30 Jahre Familienberatungstellen der Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol erscheinen uns eine lange Zeit, die Zeit einer Generation. Es gab Zeiten des Aufbaus, Zeiten der Konsolidierung und Zeiten der Veränderung. Nur wer sich verändert, kann überleben, dies gilt ganz allgemein für Lebewesen, Gruppen und jede Art von Organisationen. Gleichzeitig wünschen wir uns alle Kontinuität und Stabilität innerhalb der sich ständig verändernden Umweltbedingungen. Veränderung bedeutet, offen sein für Neues, neue Situationen erkennen, Krisen als Chancen zu nutzen. Kontinuität bedeutet Zuwachs von Erfahrung, Verlässlichkeit, Sorgfalt in den Details und ein geschärfter Blick für das Wesentliche. Kontinuität und Veränderung gemeinsam produzieren „nachhaltige Kompetenz“, eine Mischung aus jahrzehntelanger Erfahrung und Offenheit. In der Tat gibt es in den Beratungsstellen einen Turn-over des Personals, der gegen Null geht. Trotz gelegentlicher schwieriger Situationen, trotz ständiger Anpassungsmaßnahmen, trotz ständiger neuer Herausforderungen der Zukunft, sind 3 von 5 Kollegen der ersten Stunde immer noch in den Beratungsstellen tätig, und auch die Mitarbeiter, die in den 80er und 90er Jahren hinzu gekommen sind, sind noch fast alle dabei. Hinzu kommt, dass auch im Jahr 2004 wieder die Klientennachfrage um mehr als 20% gestiegen ist, und wir trotz des gleich bleibenden Budgets der letzten 5 Jahre 5 jungen motivierten und kompetenten Kolleginnen die Chance gegeben haben, in den Beruf hinein zu wachsen und hinein begleitet zu werden. Auf eine solche Situation nach 30 Jahren unseres Bestehens, können wir, glaube ich mit Recht stolz sein.

Vor 30 Jahren im Jahr 1975 wurde von 14 Vertretern der Südtiroler Gesellschaft der Verein Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol gegründet und es wurde noch im gleichen Jahr die erste Beratungsstelle in Bozen eröffnet. Hinter dem heute altertümlich anmutenden Namen Ehe- und Erziehungsberatung verbarg sich damals ein fortschrittliches Konzept. Angelehnt an deutsche und österreichische konzeptuelle Vorarbeit in Hinblick auf Beratungsstellen wurden bei uns von Anfang an Probleme in der Partnerbeziehung, Probleme bei der Erziehung, die therapeutische Arbeit mit Kindern, und die Arbeit mit Individuen unter einem Dach gemeinsam ins Blickfeld genommen. Eine solche Integration gab es damals sogar im deutschsprachigen Ausland noch nicht. Ich betone dies, denn wir befanden uns damals in einer Zeit lange vor der systemischen Wende. In jener Zeit, war im Zentrum der Aufmerksamkeit der Psychologen allein das Individuum. Schon damals wurde in unseren Beratungsstellen, mit den modernsten Ansätzen jener Zeit, auf professionelle Weise die Situation des oder der Klienten als Ganzes betrachtet, und es wurde nicht an den Grenzen des Individuums halt gemacht. Der Verein legte Wert darauf, dass alle Mitarbeiter neben der Psychotherapieausbildung auch eine Ausbildung zur Paartherapie und zur Kindertherapie hatten. Mit diesem Konzept wurden wir von der Landesregierung unterstützt, auch wenn wir von Anfang an versuchen mussten zusätzliche Finanzierungsquellen zu finden, um, wie uns gesagt wurde: „die eigene konzeptuelle Freiheit zu behalten“.
Weitere Elemente des Gründungskonzeptes waren: der weitestgehend mögliche Schutz der Klienten; Offenheit und Neugier; Beratung, Therapie und Begleitung als Prävention, die den Ratsuchenden zu immer mehr Autonomie bei zukünftigen Schwierigkeiten verhilft; Sorgfalt und die ständige Weiterentwicklung der Qualität unserer Leistungen. Für dieses Konzept ist viel Fortbildungsarbeit notwendig, viel innerer Austausch und die Identifikation der Berater mit der Beratungsstelle und deren Aufgabe.
Das Konzept ging auf, noch in den 70er Jahren wurden mit neuen Mitarbeitern die Beratungsstellen in Meran, Bruneck und St. Ulrich gegründet und in der ersten Hälfte der 80er Jahre die Beratungsstellen in Sterzing und Schlanders; und es konnten einige weitere Mitarbeiter angestellt werden. Trotz des sich vergrößernden Angebots an Beratung war es zu keiner Zeit möglich, der gesamten Nachfrage eine angemessene Antwort zu geben.
Von gelegentlichen, überbrückbaren finanziellen Engpässen abgesehen waren die 80er Jahre eine Zeit der Kontinuität und Stabilisierung. In jenen Jahren wurde die Arbeit und deren Effizienz noch im 2 mal jährlich tagenden Landesbeirat überprüft, dem Bericht zu erstatten war und wo auf kritische Fragen geantwortet werden musste. Abgesehen von den ISTATstatistiken und der Berichtspflicht im Landesbeirat existierten keine formalen Anforderungen von außen. Intern wurde aber immer, u.a. durch ein Minimum an Formalisierungen, auf die Beibehaltung und Weiterentwicklung der eigenen Konzepte geachtet. Insgesamt konnten wir uns auf die Klienten und das ihnen im Einzelnen angemessenste Beratungsangebot konzentrieren und mussten nur einen geringen Teil unserer Ressourcen für Verwaltungstätigkeit oder für die „Verdauung“ struktureller Rahmenbedingungen verwenden.

Schon zu Beginn der 90er Jahre veränderte sich diese Situation. Zunächst erschien die Situation insofern positiv, als dass von den Institutionen die Psychologen als Ressourcen entdeckt wurden, und die ökonomischen Zuwendungen dafür wuchsen. Dies hatte für uns einerseits die Konsequenz, dass unsere Arbeit durch die Ausweitung und Neustrukturierung der Psychologischen Dienste entlastet wurde und weitere therapeutische Angebote in Südtirol entstanden. Auch die Familienberatungsstellen konnten ihr Angebot ausbauen. Dies bedeutete eine innere Anstrengung, die innere Struktur zu vergrößern und damit auch die konzeptuelle Orientierung weiter zu entwickeln. So ist es der damaligen Leitung dank großer Kraftanstrengungen gelungen, geeignete, qualifizierte und motivierte Kollegen zu finden. Auch diese Mitarbeiter wurden in der Folge über Jahre in ihrer Arbeit und Fortbildung begleitet, sodass ihre Kompetenzen und Ideen Einlass in die Arbeit fanden, und eine Identifikation mit den Stellen und ihren Aufgabe und den Menschen entstehen konnte.
In den 90er Jahren gab es aber noch mehr Veränderungen: Das Fach Psychologie veränderte sich insofern, als dass auch die Beschäftigung mit, über das Individuum hinaus gehenden Aspekten des menschlichen Lebens - also Familien, Gruppen und Organisationen - zum allgemeinen Selbstverständnis der Psychologen wurde; die epistemologische Wende des systemischen Ansatzes fasste auch in Südtirol Fuß; Institutionen fragten immer mehr psychologische Leistungen nach; und es begann die Dezentralisierung der Landesverwaltung.
Die Erweiterung des psychologischen Blickfeldes war für uns an sich nichts Neues, auch wenn die Integration systemischer Ansätze einige Zeit in Anspruch nahm. Die Nachfrage nach psychologischen Leistungen von Seiten der Institutionen wurde für uns insofern zum Problem, als dass es für uns zum einen nicht denkbar war, nur weil wir die akademischen Titel dazu hatten, in Bereichen tätig zu werden, für die wir weder spezialisiert waren, noch darin eine nachhaltige Erfahrung hatten. Dies entsprach nicht unserer professionellen Ethik. Zum anderen liefen/und laufen uns bis heute Familien, Eltern, Paare und Einzelpersonen die Türen ein, die auf einen Beratungsplatz warteten, was zur Schwierigkeit der Aufteilung der Ressourcen führte.
Die Dezentralisierung der öffentlichen Ansprechpartner war für unsere Arbeit insofern ein Problem, als dass wir selbst unsere Organisation über die Jahrzehnte hinweg auf die Landesverwaltung hin ausgerichtet hatten, und die Dezentralisierung bis heute einen jährlichen Zuwachs an Verwaltungstätigkeit mit sich bringt, der zum Teil nur auf Kosten der Beratungsarbeit zu bewältigen ist. Die Ausgaben für Verwaltungstätigkeiten mussten allein in den letzten 5 Jahren verdreifacht werden.

Die Antworten auf diese Herausforderungen sind heute noch in Gange, vor allem sind wir durch Fortbildungen und das Sammeln von Erfahrungen heute schon ein gutes Stück weiter darin, Institutionen und Organisationen eine qualifizierte, angemessene und sinnvolle Antwort auf ihre Anliegen geben zu können. In diesem Zusammenhang hat sich unter anderem auch ein spezielles Angebot an Schulen entwickelt.
Dieser Spagat zwischen Klientenanfragen und Anfragen von Institutionen, nachhaltige Professionalisierung in neuen Bereichen, Anpassung und Verdauung der neuen Rahmenbedingungen, um den Klienten weiterhin eine ihnen angemessene Hilfe anbieten zu können und nicht lediglich die Verabreichung einer den Rahmenbedingungen der Institution angemessene Dienstleistung vorzunehmen; dies sind die Herausforderungen von heute. Dabei hat sich gezeigt, dass das Konzept der Vereinsgründer heute mehr denn je angemessen und erfolgreich ist. Die jährlichen Istat Statistiken zur Situation der Familien und die enorm steigenden Nachfragen von Klienten und Institutionen zeigen dies.

Nach der Wende in der Sozial- und Gesundheitspolitik in der zweiten Hälfte der 90er Jahren, bei der die Einbeziehung und die Eigenverantwortung der Menschen im Sozial- und Gesundheitsbereich verstärkt werden soll und die Anwendung der zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen immer sorgfältiger geprüft werden muss, sind auch wir aufgerufen, immer mehr unseren Teil dazu beizutragen.
Die Stärkung und Bewahrung der Eigenverantwortung der Menschen und Familien, wie sie von der Sozialpolitik der heutigen Zeit für notwendig gehalten wird, entspricht den oben genannten Grundkonzepten unserer Arbeit und ist immer auch Ziel jeder einzelnen Therapie Beratung und Begleitung. Diese Orientierung wird in der Politik Subsidiaritätsprinzip genannt. Die Beratungsstellen selbst sind ein Produkt dieses Prinzips, indem sie zivilgesellschaftlich etwas organisieren, was öffentlich nicht besser zu organisieren wäre. Wir wollen uns auch in Zukunft diesen Freiraum der eigenen Qualitätsansprüche und eigenen Arbeitweise erhalten, um die Eigenverantwortung der Menschen zu stärken, um so nah wie möglich an den Bedürfnissen der Menschen zu sein und um die Familien und die Institutionen bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen und der Erziehungsarbeit für die nächste Generation zu unterstützen.
In der jetzigen Situation heißt diesen Freiraum erhalten, vor allem relative Autonomie gegenüber formalen Anforderungen von Außen, die zwar eine Herausforderung darstellen, aber unterm Strich die Ressourcen von der eigentlichen Arbeit hin zur Verwaltung um verlagern.

So wie uns die Diozöse Bozen Brixen seit langem jährlich mit einem regelmäßigen Betrag in unserer Arbeit unterstützt, aus der Überzeugung und Erfahrung heraus, dass die Konzepte und Personen, die dahinter stehen, nachhaltige Qualität sicher stellen.
- Mit dieser Unterstützung hat sie sich im Übrigen nie in unsere Konzepte eingemischt sondern damit im Gegenteil zu unserer professionellen, konzeptuelle und organisatorischen Autonomie beigetragen - So erscheint es uns heute der richtige Moment, auch die Menschen so konkret und solidarisch wie möglich an dieser Generationsarbeit zu beteiligen. Wir denken, dass viele von denjenigen, denen es ihre eigenen Fähigkeiten, aber auch das Land Südtirol als Ganzes ermöglicht haben, einen zufrieden stellenden Platz in der Gesellschaft zu erreichen, sich an dieser Generationsarbeit beteiligen können, und die Familienberatung fördern können.
Aus diesem Grund ist es ab diesem 30sten Jahr unseres Bestehens möglich, dem Förderkreis der Ehe- und Erziehungsberatung beizutreten.
Ein solcher Förderkreis kann nicht die öffentliche Finanzierung ersetzen, die die 30 Jahre unseres Bestehens erst möglich gemacht haben und worin sich auch zeigt, wie sehr im Lande Südtirol auch die Politik auf die Integration der einzelnen Elemente der Gesellschaft einerseits, und auf Veränderungsfähigkeit andererseits setzt. Der Förderkreis kann aber dazu beitragen, dass die Familienberatungsstellen professionell unabhängig, also nahe an den Bedürfnissen und Problemen der Familien und Personen verankert bleiben, und sie weiterhin nachhaltige Kompetenz garantieren können. Gleichzeitig ist ein solcher Förderkreis ein äußeres hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft, denn er steht symbolisch und konkret für die gemeinsame Sorge um die kommenden Generationen. Ansonsten überlässt man diesen symbolischen Platz nur den meist pessimistisch interpretierten jährlichen statistischen Daten über den Zustand der heutigen Familienrealität. Dieses Zeichen ist auch deshalb besonders notwendig, da die betroffenen Menschen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen, keine Interessenvertretung haben. Für sie sind die Probleme, mit denen sie zu uns kommen, eine Quelle sozialer Unehre, über die sie nicht öffentlich Zeugnis ablegen möchten. Diese Betrachtung der Beziehungen, des Familienlebens und der eigenen Befindlichkeit als Privat, mag den Menschen auch weiterhin vergönnt sein.

(DDr. Stefan Eikemann)