Ausbildung Paarberatung - Paartherapie



Die Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol organisiert gemeinsam mit der Cusanus Akademie einen 2-jährigen Ausbildungskurs in systemischer Paarberatung/therapie. Der Ausbildungszyklus startet im Herbst 2008 und wendet sich an Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialassistenten und (Sozial)pädagogen. Geleitet wird der Ausbildungslehrgang von:
1. DDr. Stefan Eikemann (Direktor der Familienberatungsstellen Südtirols und systemischer Psychotherapeut)
2. Dr.Friederike von Tiedemann (Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Lehrtrainerin in systemisch-integrativer Paartherapie gemeinsam mit Hans Jellouschek)
3. Dott.ssa Vitina Masi (Psychotherapeutin und Lehrtrainerin am staatlich anerkannten systemischen ISPPREF- Institut, Neapel)

Ausbildung in systemischer Paarberatung/therapie


Die Ausbildung zur Paartherapie hat ein anderes Curriculum und ist für Psychotherapeuten reserviert

1. Theoretisches Konzept und Ziel

Die Ausbildung in systemischer Paarberatung/Paartherapie ist eine 2-jährige Spezialisierung im Gesundheits- und Sozialbereich für Personen, die beraterisch und therapeutisch tätig sind zur Vertiefung der Kenntnisse im Paarbereich. Die Ausbildung ist so organisiert, dass des Weiteren auch Psychotherapeuten, einen vertieften Einblick in systemisches Denken und Handeln und eine Erweiterung ihrer Kompetenzen für den Paarbereich erwerben.

Organisiert von:

der Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol
gemeinsam mit der Cusanus Akademie

Zielgruppe:

PsychologInnen, ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen, FamilienmediatorInnen, (Sozial) PädagogInnen und SozialassistentInnen mit Erfahrung in beraterischer Tätigkeit. Erfahrung im Paarbereich ist keine Voraussetzung, aber es ist notwendig während dieser Ausbildung Erfahrung mit Paaren nachzuweisen, sodass diese als Praktikumsstunden anerkannt werden können.

Ziel:

Das Ziel ist, Paarberatung und Paartherapie als solche stärker in Südtirol zu verankern und sowohl im Sozial- wie auch im Gesundheitsbereich dem Paar (und nicht nur zwei verhandelnden Individuen) als gesellschaftliche Einheit Beachtung geben zu können. Da die Qualität der Paarbeziehung der wichtigste prognostische Faktor für eine gelingende Erziehung und damit für die Chancen und die Gesundheit der nächsten Generation ist, besteht hierfür auch aus gesellschaftlicher Sicht eine unbestreitbare Notwendigkeit. In dieser Ausbildung können die TeilnehmerInnen eine vertiefte Kenntnis der Paarbeziehung und deren Dynamiken erlangen, sodass es für sie möglich sein wird, in ihren speziellen Kontexten die Paardynamiken zu den gesundheitlichen, sozialen oder institutionellen Aspekten in Beziehung zu setzen, und sie beim eigenen Handeln zu berücksichtigen. Psychotherapeuten können hierbei ihre therapeutischen Kenntnisse vom Individual- auf den Paarbereich ausdehnen.

Didaktisches Konzept:

Die Teilnehmer lernen durch einen ständigen Wechselbezug von Theorie und Praxis. Dementsprechend ist die Ausbildung aus folgenden Elementen aufgebaut:
- Theoretische Inputs die auf die Praxis der Teilnehmer/innen bezogen werden.
- Training charakteristischer Praxis- Situtionen im Rollenspiel untereinander.
- Lernen am Modell durch Video- Analysen und Live Demonstrationen der Leiter.
- Reflexion der eigenen Praxis in der Supervision.
- Selbsterfahrungsbezogene Untergruppenarbeit, in der die anstehenden Themen auf die eigenen Paar- und Beziehungserfahrungen hin reflektiert werden.

Themen:

Jede Wochenendeinheit hat inhaltliche und methodische Schwerpunkte. Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem: Selbstorganisation des Paarsystems, Paargeschichte, Herkunftsfamilien und Lebensthemen, Sexualität, Untreue u.a. Methodische Schwerpunkte sind unter anderem: Affektive Rahmungsprozesse, Fragetechniken, ressourcenorientierte Problembeschreibung, Metaphern und Rituale, Interventionstechniken u.a.

2. Organisatorisches:

Dauer: insgesamt 2 Jahre
Ort: Bildungshaus Sarns bei Brixen

Modalitäten:

Max. 26 Teilnehmer.

Da einige Ausbildner nur italienisch oder deutsch sprechen, ist es notwendig, dass die Teilnehmer sich in beiden Sprachen verständlich machen können und möchten. Die TeilnehmerInnen werden in 2 Gruppen mit jeweils max. 13 Personen aufgeteilt. Die Gruppen treffen sich 6x im Jahr für jeweils zwei Tage (jeweils Donnerstag nachmittags- bis samstags Mittag.

Diese Gruppen werden über beide Jahre hinweg von den gleichen 3 Trainern geleitet, und es werden die Themen theoretisch, anhand der persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer, und durch in der Gruppe herbeigeführte und erlebte Situationen bearbeitet. Die drei AusbildungstrainerInnen sind:

1.DDr. Stefan Eikemann (Direktor der Familienberatungsstellen Südtirol \"Ehe- und Erziehungsberatung\", Psychologe und systemischer Psychochotherapeut)
2.Dr. Friederike von Tiedemann (Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Lehrtrainerin in systemisch-integrativer Paartherapie gemeinsam mit Hans Jellouschek)
3.Dott.ssa Vitina Masi (Psychotherapeutin und Lehrtrainerin am anerkannten systemischen ISPPREF- Institut, Neapel)

Bei der Leitung der Gruppen wechseln sich die Trainer ab, sodass jede Gruppe in etwa dieselbe Anzahl von Treffen mit jedem Trainer macht.
Zu diesen Arbeits (Lern-)gruppen, kommen jedes Jahr 3-4 Seminare mit externen Experten hinzu (angefragt sind Jörg Willi, Riehl-Emde, Massimo Giuliani, Gennaro Galdo, Ulf Klein, Ebbeke Nohlen), an denen die Teilnehmer verbindlich teilnehmen, auch wenn diese Seminare zum Teil auch für andere Personen geöffnet werden.
Für jede Gruppe kommen außerdem noch 5 halbe Tage (jeweils 4 Stunden) Gruppensupervision hinzu, innerhalb derer die Teilnehmer Situationen aus ihrer Arbeit vorstellen.

Termine und Arbeitszeiten:

Die Wochenendblöcke beginnen jeweils am Donnerstag um 16:00 und enden am Samstag um 13:00 Uhr.

1.Treffen: 9. Oktober - 11. Oktober 2008
2.Treffen: 6. November - 8. November 2008
3.Treffen: 12. Februar-14. Februar 2009
4.Treffen: 2. April - 4. April 2009
5.Treffen: 14. Mai- 16. Mai 2009
6.Treffen: 17. September – 19. September 2009
7.Treffen: 22. Oktober - 24. Oktober 2009
8.Treffen: 19. November- 21. November 2009
9.Treffen: 14. Jänner – 16 Jänner 2010
10.Treffen: 4. März – 6. März 2010
11.Treffen: 22. April – 24. April 2010
12.Treffen 10. Juni- 12. Juni 2010

Kosten:

1.200,00 Euro für die gesamte Ausbildung in Paarberatung
1.300,00 Euro für die gesamte Ausbildung in Paartherapie

Anmeldung:

Per Fax an die Familienberatungsstelle „Ehe und Erziehungsberatung“ Bozen mit:

Betreff: Ausbildung in systemischer Paarberatung/Paartherapie
Name, Vorname
Adresse
Beruf
Telefon (tagsüber erreichbar)
Arbeitsplatz

Faxnummer: 0471/981647

Nähere Informationen zu den einzelnen Modulen entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Tabelle:


Thema                                        Verwendete Methoden                Therap. Know how    

 

1)       Einführung, Kennenlernen, systemische Epistemiologie, Grundlagen der menschlichen Kommunikation, Joining als Anfang

 

Annäherung-Kennen-lernen

Rollenspiel

Selbst-Fremdbeurteilung

 

Joining

Einsicht in die komplexe Welt der Kommunikation

Bedeutung von Differenz

Hypothesenbildung – Bedeutungs-gebung

Systeme, Subsysteme, Systemgrenzen

Eigenschaften von Systemen

2)      Das Paar als System

 

Selbsterfahrung

Selbsteinschätz. in der eig. Paarbeziehung, Eigenbild-Fremdbild, Gruppenbildung

Gestaltung der Anfangssituation:

Der Anfang setzt die Struktur

  • Affektive und soziale Rahmung des Prozesses
  • Steuern destruktiver Interaktion/ Stopp-Regel
  • Umgang mit eskalierenden Streitmustern
  • Rahmenvertrag bei Trennungsambivalenz/Außenbeziehung
  • Erstgespräch

Herausarbeiten von Beziehungsmustern (Worum geht es bei dem Paar?)

Symmetrische und asymmetrische Interventionsstrategien

3)                  Paargeschichte Entwicklungsphasen, die Lebensphasen eines Paares, kritische Lebensereignisse,

Die Funktion der Ehe,

Die Partnerwahl

 

Kurve der Paargeschichte

eigene Anfangsutopie (Geleitete Fantasie)

Bilanz-Ritual: Danken / Schuldig geblieben

Rollenspiel

Fragetechniken

Problemdefinition

Rituale allgemein

Ausgleichsrituale, Bilanzierungs-Ritual

Funktion und Rolle des Therapeuten, zwei Therapeuten, Allparteilichkeit

4)                  Herkunftsfamilie und Paardynamik,  aktueller Einfluss der Herkunftsfamilie, eigene Beziehungsmodelle und Lebensthemen auf dem Hintergrund der Modelle und Themen der Herkunftsfamilie,

Das Familienmandat

“gesunde“ Paare vs. dysfunktionale Paare

 

Genogramm,

Selbsterfahrung eigene Familienthemen, Beziehungsmodelle

Stuhlarbeit

Familienthemen

Herstellen der Verbindung von hier und jetzt zu dort und damals und wieder retour (Demo-Video von Hans)

Technik der Genogrammarbeit

Stuhlarbeit

Settingwechsel: Einzelarbeit im Paarsetting

Geeignete Hausaufgaben

5) Der Konflikt, Dynamiken, Modelle, Konfliktstile, Anders sein als Hindernis und als Chance

Die Paardynamik

Die Funktion des Konfliktes/ Chance für das Paar und Ressource für den Therapeuten

Typologie des Konflikts

 

Selbsterfahrung eigene Konfliktstile,

Simulation,

Stuhlarbeit

Sich in Beziehung setzen zum Konfliktstil des Paares

Eigene Modelle dazu entwickeln, Umdefinition ins Positive, sich gesehen fühlen, den anderen Sehen, sich selbst sehen.

6)Geschlechterrollen, Autonomie, Einfluss, Angst, Macht

 

Selbsterfahrung, die eigenen Rollenmodelle,

Fallbeispiele

Umgang mit destruktiver Interaktion - Teufelskreis-Modell

Vorwürfe in Wünsche verwandeln

Verhandlungen anleiten

Kompromissbildungsprozesse

7)Sexualität

 

Selbsterfahrung: Männergruppen/Frauengruppen: Ressource Sexualität –

Bilanzierung, gegenseitiges Fragen.

Ideales sexuelles Szenario

Thema Sexualität ansprechen, über Sexualität sprechen

Ideales Szenario anleiten

Erotisches Tauschgeschäft anleiten

Vorgehen auf zwei Ebenen gleichzeitig (Sexuelles Symptom - Beziehungsproblem)

 

8)Setting, Beratungsprozess, therapeutische Prozess

Kriterien für eine Paarberatung

 

Unterscheidung zwischen Paarberatung und Paartherapie

 

Simulation, Selbsterfahrung

 

Beratungskontext, Institutioneller Kontext, kultureller Kontext,

Bedeutungshypothesen,

Allparteilichkeit, Co-Therapeut, Alleanzen, Therapeut/en als Modell, Therapeut als Übersetzer,

Therapeut als Hilfsvertrauter, Therapie als Modell, Spiel mit Bedeutungen, Prozess des Paares in der Therapie, Stabilisierung, gemeinsames Paarprojekt.

 

 

 

9)                 Außenbeziehungen

Funktion von Außenbeziehung

Außenbeziehung – Kenntnis der Außenbeziehung

Das Konzept der Zugehörigkeit und Trennung

Die Außenbeziehung als Zerreißprobe des Paares

Die Offenbarung der Außenbeziehung

 

-Haltung? Meine eigene Haltung zu Treue und Untreue / Ausschließlichkeit oder nicht der Zweierbez.

Untreuekrisen in der eigenen Beziehung

       - Chance für eigene Entwicklung?

       - Beeinflussung meiner Therapeuten

 

Affektive Rahmung des Treuen und  Untreuen

Setting-Fragen: Wen einbeziehen?

Umgang des Therapeuten mit Geheimnissen

Rahmenvertrag aushandeln. Bedingung für einen therap. Prozess

Verletzungs-Versöhnungsrituale (Verletzungskärtchen)

10)              Trennung und Trennungsambivalenz

 

Eigene Erfahrungen mit Trennung austauschen (\"Trennung als Chance\")

 

 

Trennungsthema ansprechen (\"Vor den Abgrund stellen\")

Rahmenvertrag aushandeln (Zeitraum ohne endgültige Entscheidung)

Umgang mit Trennung in der Sitzung/außerhalb der Sitzung

Krisenintervention bei akuter Trennungsabsicht

Umgang mit Trauer und Abschied

Trennungsritual(e)

11)              Das Paar mit Kindern zwischen Elternsein und Paarsein, die Dynamik der (Dreier)gruppe

Funktion der Ehe als Paar vs. Funktion Eltern Sein

Paare mit und ohne Kinder

 

Erleben der Konflikte der eigenen Eltern.

Bedeutung der eigenen Kinder für die Beziehung.

Simulation

 

Kinder als Zeugen, Kinder als Alliierte

Paarrealität – Elternrealität – Familienrealität in ihren Funktionen und Grenzen unterscheiden.

Was ist nicht Aufgabe der Kinder

12)              Das Elternpaar zwischen Institutionen

Interaktion zwischen Institutionen

Kinder mit Patchwork family

Familien mit adoptierten Kindern bzw. Kindern mit Handicap

 

Simulation

Erwartung, Zwänge und Aufgaben des institutionellen Partners

 

 

Erwartungen und Kontextvariablen von

Beratungsstelle

Therapeut

Sozialdienste

Gericht

 

 

13)   Zweitehen

\"Zweitehen sind anders\" - Typische Problembereiche

Rollen und Zuständigkeiten in der Stieffamilie

Inseln für das Paar

Einmischung der vorherigen Partner

Gut integrierte Paare

Neu zusammengewürfelte Paare

 

Aufstellen von Patchwork-Konstellationen mit Figuren

Eigene Erfahrungen mit Patchworkfamilien

 

 

 

Der Therapeut als Anwalt des \"Andersseins\" der Zweit-Ehe/Familie

Geeignete Hausaufgaben

Einen Therapieprozess abschließen

Katamnese