Familien Heute Ausgabe 4



Inhalt:
Praxis der Familienberatung:

- Familienmediation in der Beratungsstelle
- Kindergruppe zur Schulung der Sozialkompetenz
- Null Bock auf Schule - oder etwa doch?

Familie: Interessante News und Infos

- Kinder und Kinderkrippen
- Der Krieg ist der Vater aller Dinge - Konflikt als Chance

Aus Forschung und Wissenschaft:

- Psychotherapie für Muslime
- Bullying und Mobbing
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Familienmediation in der Beratungsstelle
Unter Familienmediation versteht man in der Regel die Beratung von getrennten oder sich trennenden Eltern, bezogen auf konkrete Vereinbarungen für die Zukunft (wo wohnt wer, Besuchsrechte, Versorgungszahlungen, wie wird kommuniziert, wer kümmert sich um welchen Lebensbereich, usw.) Hierbei erarbeiten die Partner mit Hilfe des Mediators die bestmöglichen Lösungen für sich und ihre Kinder. Das Zurücktreten von Maximalerwartungen ist hierbei unumgänglich, da dies durch die Verschärfung des Konfliktes am Schluss zu einer für alle schlechteren Lösung führt. Sich trennende Partner müssen sich an die Realität des gemeinsamen Elternseins bei getrenntem Leben erst gewöhnen und anpassen. Hierbei leiden sowohl die Eltern als auch die Kinder unter der Situation. Bei den Familienberatungsstellen der EEBS wird diese Form der Elternunterstützung in Meran und Bozen angeboten. In nicht eindeutigen Situationen wird zunächst gemeinsam mit dem Paar geklärt, ob tatsächlich eine wie oben beschriebene Familienmediation das Richtige ist, oder ob nicht zunächst eine Paarberatung, eine längere Klärungsphase mit offenem Ausgang oder andere Angebote hilfreicher sein können. Spezialisierte Mitarbeiter führen die Familienmediation in den Beratungsstellen durch. Anmeldung und Information: BZ 0471 973519; ME 0473 210612 br>

Kindergruppe zur Schulung der Sozialkompetenz
Ein gelungener Kontakt zu Mitmenschen ist die Voraussetzung für unser Wohlbefinden. Manche Kinder tun sich mit Gleichaltrigen oder Erwachsenen schwer, wissen noch keine erfolgreichen Strategien, um Beziehungen aufzubauen. Soziale Kontakte und Kompetenzen mit Mitschüler oder Freunden müssen erprobt werden, um einen angemessenen Umgang zu finden. Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen erkennt man z.B. durch die Rolle des Außenseiters oder Sündenbocks, aber auch durch aggressives Verhalten oder Rückzug. In der Gruppe zur Schulung des Sozialverhaltens, die regelmäßig von der Ehe & Erziehungsberatung angeboten wird, werden Möglichkeiten geschaffen, dass für das einzelne Kind das eigene Erleben und Verhalten im Kontakt mit anderen wahrnehmbar wird, es aber auch lernt wahrzunehmen, wie es sich für die anderen anfühlt. So können Kinder Wege finden, neue Strategien im Umgang mit Gleichaltrigen auszuprobieren und zu erlernen.
- Die Gruppe startet fortlaufend bei genügend Anmeldungen-

Null Bock auf Schule oder etwa doch?
„Du lernst für das Leben, nicht für die Schule!“ Diesen Satz bekommen Kinder und Jugendliche immer wieder zu hören. Aber wie lebensnah ist die Schule wirklich und wie lässt es sich erklären, dass immer mehr Kinder und Jugendliche den Schulbesuch verweigern? Ist es wirklich so, dass wir rein die Institution Schule dafür verantwortlich machen können, dass Schulverweigerung zunehmend Karriere macht? Die Ursachen und Entstehungsbedingungen von Schulverweigerung sind vielfältig und lassen sich nicht auf eine Ursache reduzieren. Vielmehr handelt es sich dabei um ein kompliziertes Netz von Entstehungsfaktoren, in dem Schüler, Eltern, Schule und das weitere soziale Umfeld wechselseitig zusammenwirken. Nicht selten nämlich können fehlende Erfolgserlebnisse, Versagensängste oder gestörte Beziehungsverhältnisse dazu führen, dass Schüler aufgeben und die Schule meiden. Aus Erfahrung wissen wir nämlich, dass für jede Art von Schulverweigerung gilt, dass sie aus Sicht des Individuums Sinn macht: Durch das Fernbleiben vom Unterricht vermeidet der Schüler eine negativ besetzte Situation bzw. entflieht ihr. Unangenehmes kann so abgewehrt und Bedrohliches vermieden werden. Das bringt vorübergehend eine gefühlsmäßige Erleichterung. Dann allerdings treten Schuldgefühle auf, da die Erwartungen von Lehrern und Eltern (und oft. auch die eigenen) nicht mehr erfüllt werden können. Dadurch entsteht zusätzliches Unbehagen oder noch mehr Angst vor der Rückkehr in die Schule und den zu erwartenden Reaktionen von verärgerten Lehrern oder spottenden Mitschülern. Insofern ist Schulverweigerung oft ein Verhalten, das sich immer weiter selbst verstärkt und in einen Teufelskreis führt. Um in solchen Situationen intervenieren zu können scheint es immer wichtig, den einzelnen Fall genau unter die Lupe zu nehmen, gemeinsam mit den Betroffenen nach individuellen Ursachen für ihr Schulverweigern zu suchen und versteckte Ressourcen zu aktivieren oder wie es Antoine de Saint Exupéry sagt: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“


Wenn Sie gerne mehr zu diesem Thema wissen möchten:
Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Beltz-Votum Verlag 2000, Münster Simon, Steffen Uhlig, Schulverweigerung. Muster, Hypothesen, Handlungsfelder, Verlag 2002


Kinder- und Kinderkrippen
Wieviel Mutter braucht ein Kind? Seit den Erkenntnissen Freuds und von Bindungsforschern wie John Bowlby, Renè Spitz oder Daniel Stern weiß man, dass es für die spätere emotionale Gesundheit und psychophysische Stabilität von wesentlicher Bedeutung ist, welche Beziehungserfahrungen der Mensch in den ersten Lebensjahren macht. Seit der Ausbau der Kinderkrippen geplant ist, wird häufig die Frage gestellt: Mutter oder Krippe? In der Öffentlichkeit stößt diese Frage auf ein geteiltes Echo; Krippengegner warnen vor „Verstaatlichung der Kinder“, Krippenbefürworter loben es, denn den Müttern ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz gewährleitstet. Als Abschluss kann erläutert werden, dass es eine psychologische Forschung bezüglich des Beziehungserlebnis der Kinder gibt und der verschiedenen Lebenskonzepte der Eltern. Dabei vermischt sich die gesellschaftliche Diskussion und es gibt noch keine endgültige Antwort.

Der Krieg ist der Vater aller Dinge - Konflikt als Chance
Der berühmte Satz der griechischen Philosophen Heraklit (ca. 500 v. Chr.) birgt, wie wir gleich sehen werden, eine wichtige Wahrheit in sich. Heute weiß man, dass Heraklits Aussage eigentlich nicht richtig übersetzt worden ist, das Wort Krieg sollte eigentlich besser mit dem Word Konflikt übersetzt werden, wodurch noch klarer wird, warum der Titel im Beisatz – Konflikt als Chance – lautet. Aber warum sollte nun ein Konflikt eine Chance darstellen, bedeutet dies etwa Streit und Auseinandersetzung sei etwas Positives, etwas, das wir gar nicht zu vermeiden versuchen sollten? Konflikte sind unvermeidbar, wir alle sind Individuen mit unterschiedlichen Vorstellungen, mit unterschiedlicher Wertehaltung und unterschiedlichen Wünschen, die mit den unserer Mitmenschen leicht kollidieren können. In solchen Situationen entsteht oft ein Konflikt. Gelingt es nun diesen Konflikt als Chance zu sehen, als die Möglichkeit sich selbst, gemeinsam mit dem Interaktionspartner weiter zu entwickeln, so birgt der Konflikt oft ungeahntes positives Potential in sich. Damit dieser aber geschehen kann, gilt es doch einige Dinge zu beachten; es geht zum einen um die Haltung mit der wir in den Konflikt gehen, eben ob wir bereit sind auch die positiven Aspekte zu sehen, es geht aber vor allem auch um die Bereitschaft an Lösungen zu arbeiten, Vorwürfe in Wünsche umzuformulieren, sich selbst zu hinterfragen, Kompromisse eingehen zu können. Gelingt uns dies, mit oder gegebenenfalls auch mit professioneller Hilfe, so wird der Satz des alten griechischen Philosophen auch für uns zu einer wichtigen Weisheit.


Psychotherapie für Muslime
Psychotherapie für Muslime stellt für zwei Seiten ein Tabu dar: einerseits ist für viele Muslime Psychotherapie durch ihre Religion mit Scham behaftet und die dort behandelten Probleme werden als familiäre Angelegenheit angesehen, andererseits ist es für Psychotherapeuten ein Tabu, da sie den religiösen Hintergrund oft noch nicht miteinbeziehen und berücksichtigen. Was steckt hinter dieser Abwehr? Vermutlich kostet es den Muslimen schon viel Überwindung zu einem nicht muttersprachlichen Therapeuten zu gehen ohne Dolmetscher. Oft kann bei den Therapeuten das Verständnis für Krankheit und Gesundheit, das im Islam anders ist, nicht vorhanden sein bzw. zu einer aggressiven Abwehr zum Islam führen. Auch kann ein Grund dafür sein, dass Therapeuten Psychotherapie als nicht kulturell verwurzelt ansehen. Für Muslime stellt es eine Schande dar, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, was vielleicht auch zu dieser Abwehr führt. Daraus lässt sich schließen, dass es für beide Seiten nicht leicht ist, sich auf die Therapie mit solchem Hintergrund einzulassen und Vorsicht und Sensibilität immer gefragt ist.


Wenn Sie gerne mehr zu diesem Thema wissen möchten:
Thomas Klatt: Psychotherapie für Muslime, in Psychologie heute Jänner 2009 Malika Laabdallaoui, S. Ibrahim Rüschoff: Ratgeber für Muslime bei psychischen und psychosozialen Kirsen. Psychiatrie- Verlag, Bonn 2005

Bullying und Mobbing
In der Vergangenheit basierten alle Untersuchungen zu diesem Thema auf Fragen an Personen: ob sie sich gemobbt fühlen würden. Im Jahr 2007 haben die Autoren des jährlich neu erscheinenden Kinderbarometers(1) den Ansatz gewählt, nicht nur nach subjektivem Erleben sondern nach konkreten Verhaltensweisen (Hänseln, Beleidigen, Bloßstellen) zu fragen. Als Ergebnis wurde erkennbar, dass 80% aller Personen, die sich gemobbt fühlen, selbst regelmäßig diese Verhaltensweisen an den Tag legen. Daraus ist erkennbar, dass es sich hierbei meistens nicht um eine Opfer-Täter Beziehung handelt, sondern um eine besondere Form des Konfliktes. Ein Konflikt, in dem die Situation als sehr unterschiedliche erlebt wird, und es bei den Beteiligten unterschiedliche Strategien gibt, mit Kränkung umzugehen. Da Mobbing/Bullying aber Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die Beziehungsfähigkeit von Menschen hat, ist es sinnvoll präventive Maßnahmen zu ergreifen. Aus der dargestellten Untersuchung ergeben sich folgende Bereiche: Konfliktmanagement für Lehrer und Vorgesetzte, Stärkung des Selbstvertrauens, Erlernen von Empathie.


Wenn Sie gerne mehr zu diesem Thema wissen möchten:
(1)http://www.hessenstiftung.de/files/07-09-26_gesamtbericht_kinderbarometer_2007.pdf