Wie kann Partnerschaft gelingen?


Ein kurzer Text über den Sinn und Suche in Partnerschaft, und einige Voraussetzungen, die das Gelingen erleichtern
(Dr. Stefan Eikemann)

Wie kann Partnerschaft gelingen

Heirat ist der schönste Tag des Lebens, den möchte man sich nicht vermiesen lassen. Ein schönes Fest, zwei große Familien, viele Zeugen dafür, dass man sagt, dass man von nun an zusammen gehört, bzw. dass man das Leben gemeinsam verbringen möchte. Obwohl heute viele Ehen in die Brüche gehen, heiratet man mit dem Wunsch, nun den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Es gibt uns Kraft und Zufriedenheit, Vertrautheit, Intimität, eine emotionale Stütze zu haben. Gemeinsam reisen, Kinder großziehen, gemeinsam alt werden, dies sind so einige Wünsche, die man mit einer dauerhaften Beziehung verbindet.

Tief drinnen wünschen wir uns vom Partner vor allem, dass er die Schmerzen und Wunden, die wir im bisherigen Leben erfahren haben, heilt oder lindert. Dass wir vom Partner ganz anerkannt sind, so wie wir sind, in allen Schwächen und Unsicherheiten. Wir wollen als Mann, bzw. Frau bewundert und wertgeschätzt werden. Wir wollen körperlich, geistig, emotional und in unserem sozialen Ansehen vom anderen als etwas Einzigartiges und Wertvolles betrachtet werden. Das unserem Partner zu geben, bzw. von ihm zu bekommen, ist der Kern aller auf Dauer angelegten intimen Beziehungen. Dies macht Partnerschaft lohnend. So einfach ist das nicht, denn das was ich brauche, um mich als Mann bzw. als Frau geliebt zu fühlen, ist möglicherweise nicht das, was dem anderen in Sinn kommt, uns zu geben. Was wir uns wünschen weiß er nicht (vielleicht wir selbst auch noch nicht), und wenn wir es ihm dann sagen, dann müssen wir es ihm erklären, denn er versteht es nicht ohne weiteres.

Was kann uns dabei helfen?
Aus meiner Erfahrung in der Paarberatung, sind es die folgenden sechs Punkte, die am wichtigsten sind für ein Gelingen des gemeinsamen Projektes Heirat.
Erstens einige Gemeinsamkeiten, die gepflegt sein wollen, mindestens einmal in der Woche, bis ins hohe Alter.
Zweitens ist es wichtig die Andersartigkeiten des Partners zu schätzen. Das ist nicht leicht, denn alsbald streitet man über sie. Vor allem versteht man oft ein Wort falsch. Dinge die uns nahe gehen, sagen wir auf dem Hintergrund unseres ganzen Lebens, und ebenso verstehen wir sie. Nur ist dieser Hintergrund bei beiden Partnern grundverschieden. Um Missverständnisse zu überwinden hilft nur - das klingt veraltet - Demut. Psychologisch bedeutet dies, Abstand zu nehmen vom "Recht haben" - um der Beziehung willen. Demut hat vor allem mit Mut zu tun. Dem Mut, sich zu öffnen trotz der Angst wieder verletzt zu werden. Demut hat aber auch etwas mit Mühe zu tun. Der Mühe dem anderen zu helfen, sich zu öffnen, und der ständigen Mühe sich verständlich zu machen.
Drittens muss man gemeinsam eine (durchlässige aber spürbare) Grenze um die Beziehung ziehen. Jeder muss den Partner vor Einmischungen der eigenen Herkunftsfamilie schützen, er muss im Konfliktfall zu ihm halten. Andererseits darf man vom Partner nicht verlangen, sich gegen die eigene Familie zu stellen. Besonders schwer ist das, wenn beide nahe bei der Familie eines Partners leben.
Viertens kann man den Partner nicht ändern. Man muss ihn so nehmen wie er ist. Wer denkt, ihn oder sie nach der Heirat ändern zu können, wird sich selbst und den anderen bitter enttäuschen.
Fünftes sind aktive Liebesbeweise wichtig, sie sind Nahrung für unsere Seele, sie will gepflegt sein. Wie unsere Kinder, unser Auto, unsere Kleider, unser Körper, auch die Seele braucht Zuwendung.
Sechstens Humor tut gut. Gemeinsam lachen, über sich selbst lachen, befreit und entspannt.

DDr. Stefan Eikemann
Psychologe und Psychotherapeut
Direktor der Familienberatungsstellen der Ehe- und Erziehungsberatung Südtirol